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Beitrag 2     Die Körperhaltung / Die Handstellung und Fingerstellung

1. Die Haltung der Gitarre und des Körpers

Es gibt vier Stützpunkte mit denen unser Körper der Gitarre halt gibt:

1. linker Oberschenkel
2. rechter Oberschenkel
3. Oberkörper
4. rechter Unterarm

Beschreibung:

Die Gitarre wird im Schwung des Gitarrenkörpers auf dem linken Oberschenkel aufgestützt und steil, etwa in einem 45-Grad-Winkel, aufgelegt.

Dabei steht der linke Fuss auf einem Fußschemel.
Alternativ kann, eher für Erwachsene empfehlenswert, eine ergonomische Stütze zwischen Oberschenkel und Gitarre verwendet werden. Dies entlastet den Rücken.

Dabei sitzen wir, mit aufgerichtetem Oberkörper, auf der vorderen Hälfte eines Stuhls, der in der Höhe so ist, dass der linke Oberschenkel, der auf dem Fußschemel steht, etwa waagrecht ist.
Auf der vorderen Hälfte deshalb, damit die Gitarre den Stuhl nicht berührt.

Der rechte Oberschenkel  wird soweit weggespreizt, dass die Gitarre fixiert wird, und nicht wegrutschen kann.

Die Gitarre wird an den Körper genommen, so, dass der Boden der Gitarre am Oberkörper liegt.

Der rechte Unterarm liegt, nahe beim Ellenbogengelenk, auf dem Zargenrand der Gitarre.


Nun haben wir eine gute Körperhaltung eingenommen, und können uns dem Spielen zuwenden.
Dabei wollen wir auf einige Einzelheiten achten.



2. Handstellung und Fingerstellung

2a. Die rechte Hand

Erste Technik:

Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger stützen sich auf der 1. Saite ( höchste Saite ) auf.
Der Daumen schlägt die Saiten an.
Diese Technik nennen wir Daumenanschlag. ( Bild 1 - unten )


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Bild 1


Zweite Technik:

Der Daumen stützt sich auf die 6. Saite ( tiefste Saite ) auf.
Zeige und Mittelfinger schlagen die Saiten abwechslungsweise an.
Diese Technik nennen wir Wechselschlag. ( Bild 2 )

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Bild 2


Beide Techniken können « apuyando « und « tirando « gespielt werden.

« apuyando « ( spanisch ) mit Anlegen «

Beim Daumenanschlag bedeutet das, dass der Daumen eine Saite anschlägt , und danach auf der nächsthöheren Saite aufliegt.
Beim Wechselschlag bedeutet das, dass Zeige- und Mittelfinger abwechslungsweise eine Saite anschlagen und danach jeweils auf der nächsttieferen Saite aufliegen.

Hinweis für die Kinder: Im « Schildi « wird zu Beginn, beim Einstimmigen Spiel, bis Seite 54,
diese Technik vorgestellt.


« tirando « ( spanisch ) heisst « Spiel ohne Anlegen «

Beim Daumenanschlag bedeutet das, dass der Daumen eine Saite anschlägt , und sich danach über die nächsthöhere Saite hinwegbewegt ohne diese zu berühren.
Beim Wechselschlag bedeutet das, dass Zeige- und Mittelfinger abwechslungsweise eine Saite anschlagen und sich danach über die nächsttiefere Saite hinwegbewegen ohne diese zu berühren.

Hinweis für die Kinder: Im « Schildi « kann im zweiten Teil zum Zweistimmigen Spiel, ab Seite 55,
diese Technik empfohlen werden.


Faustregel zur rechten Hand: Der Arm, die Hand, der Handballen, sowie der Daumen und auch die anderen Finger, stützen sich nie auf der Decke der Gitarre ab !
Einzig der rechte Unterarm liegt richtigerweise, wie bereits beschrieben, nahe beim Ellenbogengelenk, auf dem Zargenrand der Gitarre.

2b. Die linke Hand

Anfänglich lernen wir das Spielen auf den leeren Saiten kennen.
Die linke Hand wird dabei noch nicht gebraucht und darf sich, an der Stelle an der der Gitarrenhals in den Gitarrenkörper übergeht, anlehnen.
Dabei liegt der Daumen über dem Hals, die anderen Finger unter dem Hals. ( Bild 3 )
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Bild 3


​​​​​​​Dazu die Bezeichnungen der leeren Saiten:

E = ⑥ ( tiefe, dicke Saite )

A = ⑤

d = ④

g = ③

h =  ②

e’ = ① ( hohe, dünne Saite )


Sobald wir gegriffene Töne spielen gibt es folgendes zu beachten.

Der Daumen, und nur der Daumen, liegt hinten am Hals, in der Halsmitte ! ( Bild 4 - richtig )

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Bild 4 - richtig


Er bewegt sich, je nachdem, ob wir hohe oder tiefe Töne spielen, von der Halsmitte aus leicht nach unten oder nach oben.

Somit können sich die Finger vorne frei über dem Griffbrett bewegen, und jederzeit jeden Ton erreichen. ( Bild 5 - richtig )

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Bild 5 - richtig


Einer der häufigsten Haltungsfehler diesbezüglich ist der, dass der Daumen zu weit oben am Gitarrenhals liegt.
Daraus ergibt sich dann, dass meist auch die Hand am Gitarrenhals liegt. ( Bild 6 - falsch )
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Bild 6 - falsch


Als Folge daraus können sich die Finger vorne nicht mehr frei über dem Griffbrett bewegen,
und sind somit in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt ! ( Bild 7 - falsch )
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Bild 7 - falsch


Die Finger
der linken Hand drücken auf dem Gitarrenhals die Saiten auf das Griffbrett.
So entsteht der Ton. Dabei ist es wichtig, dass die Finger die Saite an der richtigen Stelle im Bund, und in einem geeigneten Winkel zum Griffbrett, niederdrücken.
Dabei geht es vor allem um Technik und nicht um Kraft.


Um einen sauberen Ton zu erzeugen, drücken wir den Finger innerhalb eines Bund, in der vorderen Hälfte ( in Richtung Schallloch ), nahe dem Bundstab nieder. ( Bild 8 - richtig )

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Bild 8 - richtig


Dabei wird die Saite vom Bundstab nach oben gehoben, und kann sauber über die nächsten Bundstäbe des Gitarrenhalses hinwegschwingen.

Greifen wir den Ton zu weit hinten im Bund ( in Richtung Kopf der Gitarre ), wird die Saite vom Bundstab nicht mehr genug nach oben gehoben, und sie kann nicht mehr sauber über die nächsten Bundstäbe hinwegschwingen, sondern schlägt auf ihnen auf.
So entsteht das Scheppern. ( Bild 9 - falsch )
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Bild 9 - falsch


Idealerweise würde ein Finger im 90-Grad-Winkel zum Griffbrett auf die Saite drücken.
Das ist aber aus anatomischen Gründen, vor allem auf den tieferen Basssaiten, quasi nicht möglich.
Also versuchen wir uns diesem Ideal so gut wie möglich anzunähern.

Ganz entscheidend dabei ist, wie oben bereits erwähnt, die richtige Daumenstellung.
Mit den Fingern wollen wir die Saiten also in einem möglichst steilen Winkel zum Griffbrett niederdrücken.
Der Winkel muss dabei so steil sein, dass ein Finger nur die eine Saite die er spielen soll niederdrückt, ohne dabei die anderen Saiten zu berühren. ( Bild 10 )

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Bild 10


Das erreichen wir indem wir die einzelnen Fingerglieder, auch das vorderste Fingerglied, so gut wie möglich abwinkeln.

Faustregel zur linken Hand: Die Finger sind nie eingeknickt !


3. Bezeichnungen der linken und der rechten Hand

Die Finger der linken Hand werden wie folgt bezeichnet:

Daumen - keine Bezeichnung, da er hinten am Hals liegt.

Zeigefinger - 1

Mittelfinger - 2

Ringfinger - 3

Kleiner Finger - 4


Die Finger der rechten Hand werden, üblicherweise in spanischer Sprache, wie folgt bezeichnet und abgekürzt:

Daumen - pulgar ( p )

Zeigefinger - indice ( i )

Mittelfinger - medio ( m )

Ringfinger - anular ( a )

Kleiner Finger - keine Bezeichnung, da er, abgesehen von besonderen Spieltechniken, nicht mitspielt.




4. Zahlen im Notensystem ?

Neben einer Note können folgende, oft von einer Lehrerin oder einem Lehrer handschriftlich beigefügte, Angaben in Form einer Zahl stehen:

1. Die am häufigsten vorkommende Angabe, ist die Angabe zum sogenannten Fingersatz.
    Damit wird der Finger der linken Hand ( 1,2,3, oder 4 ) bezeichnet der die Note spielen soll.

    Ein Hinweis dazu: Zum Beginn beim Gitarre spielen finden wir oft den Umstand vor, dass die
    Fingerangabe dem Bund entspricht in dem gespielt wird.
    Also: 1 = 1. Finger im 1. Bund / 2 = 2. Finger im 2. Bund u.s.w.

2. Die Bundangaben als solches werden in römischen Ziffern ( I = 1. Bund / II = 2. Bund u.s.w. )
    gemacht.
    III bedeutet somit, dass die bezeichnete Note im 3. Bund gespielt wird.

3. Eine Zahl ( von 1 bis 6 ) in einem Kreis, z.B.① weisst immer auf die Saite auf der der Ton gespielt
    werden soll hin.


Beispiel: Die Angabe     3 ① III     bedeutet somit,
dass die Note mit dem 3. Finger, auf der 1. Saite im 3. Bund gespielt wird.
Meistens kommen aber nur eine Angabe, allenfalls einmal zwei Angaben, pro Note vor.
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